Geschrieben von Markus Löhner in d.r.t.a.:
Ich habe die Erfahrung machen müssen, daß man beim Pflanzenkauf derb
über den Tisch gezogen werden kann. Etwas Aufmerksamkeit halte ich aus
diesem Grund für angebracht. Lieber erst ein paar Händler abklappern,
bevor man einkauft. Beim Einkauf sollte man darauf achten, daß man
selber weiß, welche Pflanze man will. Vom Händler würde ich mir keine
Pflanze aufschwatzen lassen, die ich nicht kenne. Pflanzen sollten auch
frisch aussehen, also wenig bis keine abgestorbenen Teile aufweisen. Mit
Algen übersäte würde ich auch nicht kaufen. Am günstigsten bekommt man
Pflanzen dort, wo sie _nicht_ unter Wasser bevorratet werden. Mehr als
DM 10,- pro Topf zahlt man dort meist nicht. Emers (über Wasser)
bevorratete Pflanzen sind auch praktisch algenfrei. So kommen sie
übrigens alle aus den Pflanzengärtnereien zu den Händlern.
Gärtner züchten die meisten Wasserpflanzen, die überwiegend
Sumpfpflanzen sind, über Wasser. Die emers gewachsenen Pflanzen müssen
sich erst anpassen, wenn sie unter Wasser getaucht (submers), also ins
Aquarium eingesetzt werden. Die emers gewachsenen Blätter gehen relativ
schnell ein, und es wachsen neue Blätter, die an das Unterwasserdasein
angepaßt sind. Das ist aber von Pflanzenart zu Pflanzenart
unterschiedlich. Stengelpflanzen haben in der Regel weniger
Umstellungsprobleme als Rhizompflanzen. Stengelpflanzen wachsen nach dem
Einsetzen mitunter nahezu sofort weiter. Rhizompflanzen wie Echinodoren
brauchen schon mal ein paar Wochen oder gar Monate, bis sie sich
_vollständig_ eingewöhnt haben. Spätestens eine bis eineinhalb Wochen
nach dem Einsetzen ins Aquarium sollte man aber schon die ersten neuen
Blätter sprießen sehen.
Es gibt auch reine Wasserpflanzen, die nicht über Wasser gehalten werden
können, z.B. Vallisnerien. Diese werden auch nur unter Wasser beim
Händler angeboten (nein, man braucht keine Taucherausrüstung, um sie zu
erstehen :-) ).
Zu Beginn, also beim Einrichten, sollte man darauf achten, daß man viele
schnellwüchsige Stengelpflanzen einsetzt. Sie sollten ca. 80% des
gesamten Pflanzenbestandes ausmachen. Auch sollte das Aquarium zu ca.
70-80% bepflanzt sein. Üppiges und schnelles Pflanzenwachstum ist das
beste und natürlichste Mittel, Algen nicht hochkommen zu lassen. Dennoch
kann es während des Einfahrens des Aquariums vorkommen, daß sich eine
Algenplage entwickelt. Das ist aber nichts Ungewöhnliches und kommt
relativ häufig vor. Diese anfängliche Algenplage kann man getrost
aussitzen. Also Geduld und nicht sofort bekämpfen.
Folgende Stengelpflanzen sind robust und wachsen mit am schnellsten:
- Heteranthera zosteraefolia
- Hygrophila angustifolia
- Hygrophila corymbosa
- Hygrophila difformis
- Hygrophila polysperma
- Limnophila sessiliflora
- Limnophila heterophila
- Rotala rotundifolia
- Cabomba caroliniana
- Ludwigia repens
- Ludwigia palustris
- Ceratophyllum demersum (Hornkraut)
Stengelpflanzen kann man relativ leicht umsetzen. Man kann sie ja leicht
herausziehen, zurückschneiden (je nach Art nicht öfter als 2x) und die
abgeschnittenen Stengel (Stecklinge) neu einpflanzen.
Als weitere Pflanzen, die nicht so einfach umzusetzen sind wie
Stengelpflanzen, da sie umfangreiche Wurzeln bilden und darauf Wert
legen, am Standort zu verbleiben, aber dennoch robust und einigermaßen
schnellwachsend sind, empfehle ich für den Anfang:
- Echinodorus tenellus, es gibt eine kleinbleibende (5cm) und eine
länger werdende, rötliche Variante (bis 18cm)
- Echinodorus quadricostatus (bis 10cm hoch)
- Echinodorus bolivianus (ähnelt sehr stark der E. quadricostatus)
Vorsicht bei den groß werdenden Echinodoren (E. osiris, bleheri etc.).
In gut laufenden Aquarien erreichen sie tatsächlich die in der Literatur
angegeben Ausmaße, und mehr. Eine einzige dieser Pflanzen kann Euer
60l-Aquarium vollständig vereinnahmen.
Nicht so schnellwachsend aber robust und in nicht zu großer Anzahl auch
für den Anfang zu empfehlen:
- Microsorium pteropus (Javafarn)
- Vallisneria spiralis
- Vallisneria americana
Von folgenden Pflanzen rate ich bei Neueinrichtung ab, da sie entweder
zu anspruchsvoll sind und/oder zu langsam wachsen:
- alle Cryptocorynen (anspruchsvoll und langsam wachsend)
- alle Anubien (langsam wachsend)
- alle Althernanteras (anspruchsvoll und langsam wachsend)
- Didiplis diandra (anspruchsvoll und langsam wachsend)
- Lobelia cardinalis (langsam wachsend)
- Rotala macranda (anspruchsvoll und langsam wachsend)
- Limnophila aquatica
...
Es spricht zwar nichts dagegen, den einen oder anderen Topf dieser
Pflanzen
zu kaufen, um etwas mehr Abwechslung ins Aquarium zu bringen und um
etwas herumzuexperimentieren. Es kann sich ja herausstellen, daß die
eine oder andere bei Euch von Anfang an gut wächst. Algenprophylaxe kann
man von diesen Pflanzen allerdings nicht erwarten.
Man kann später, wenn alles einigermaßen rund läuft (ca. 1/2 Jahr),
einige Stengelpflanzen oder Pflanzbereiche im Aq. gegen langsamer
wachsende oder empfindlicher Pflanzen austauschen. Nicht-Stengler, also
Rhizom-Pflanzen, vertragen Standortwechsel gar nicht.
Für Wasserpflanzen gibt es gute Literatur, z.B. Christel Kasselmann:
"Aquarienpflanzen", Ulmer Verlag, ISBN 3-8001-7454-5, DM 89,- (z.B. bei
Amazon.de).
Noch ein paar Tips:
- Stengelpflanzen muß man nicht aus dem Topf "pulen". Abschneiden und
einpflanzen genügt. Vorsicht, nicht die Stengel zerquetschen.
- ansonsten muß Steinwolle von den Wurzeln so weit wie möglich entfernt
werden, da sie die Kiemen und Därme der Fische schädigen kann. Das
Rhizom sollte dabei aber nicht verletzt werden. Wenn sich der letzte
Futzel Steinwolle nicht entfernen läßt, ohne die Pflanze zu beschädigen,
kann man ihn dran lassen. Das Wohl der Pflanze hat hier Vorrang.
Außerdem enthält die Steinwolle viel Dünger. Die Töpfchen werden beim
Züchter von einer Düngelösung umspült. Evtl. mit lauwarmem Wasser
abspülen.
- Wurzeln sollten vor dem Einpflanzen auf 2-3cm Länge mit einer scharfen
Schere eingekürzt werden. Diese dienen meist nur als erster Halt und
verotten sowieso. Die Pflanze treibt bald neue Wurzeln.
- matschig braune Wurzeln vor dem Einpflanzen entfernen, ebenso solche
Blätter. Bei überwiegend matschigen Wurzeln sollte man die Pflanze dem
Händler unter die Nase reiben und Ersatz verlangen. Man kauft ja die
Katze im Sack, oben hui und unten im Topf, wo man nichts sieht, pfui.
- Stengelpflanzen sollten nicht zu oft zurückgeschnitten werden. Einige
Arten vertragen das Zurückschneiden überhaupt nicht gut, andere werden
dadurch zu einem schönen Busch. Spätestens, wenn der im Bodengrund
verbliebene Teil der Pflanze unansehnlich wird, sollte die Pflanze
ersetzt werden. Dazu den oberen Teil (mind. 10cm lang bzw. 3-4 Knospen)
abschneiden und neu einpflanzen (stecken). Den alten Teil langsam, ohne
den Bodengrund allzusehr durchzuwühlen, herausziehen, evtl. dabei etwas
rütteln. Will man eine Stengelpflanze schneller vermehren, wird ein
längerer Stengel in mehrere Teile geschnitten. Ein bißchen
experimentieren schafft hier schnell Erfahrung.
- viele Stengelpflanzen, die man an der Wasseroberfläche entlang wachsen
läßt (fluten läßt), verzweigen sich gut und werden besonders kräftig
(z.B. Rotala, Limnophila, Cabomba, Ludwigia). Zu stark sollte man sie
aber nicht fluten lassen, da sie anderen Pflanzen und auch sich selbst
dann zu viel Licht wegnehmen.
- günstig Pflanzen kaufen kann man auch im Internet. Von schlechten
Erfahrungen habe ich bisher noch nichts gehört.
- Wasserpflanzen wollen gedüngt werden, am besten auch mit CO2
- regelmäßiger und ausreichender Wasserwechsel entfernt überschüssige
Nährstoffe, Düngung füllt die aufgebrauchten Nährstoffe wieder auf. Je
häufiger man Wasser wechselt, desto näher bleibt man am Düngeroptimum.
Das unterstützt die höheren Wasserpflanzen in ihrem Wachstum und drängt
dadurch Algen zurück. Ich wechsle wöchentlich 1/4-1/3.

LinkBack URL
Über LinkBacks



Zitieren



Bookmarks